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Old Master Paintings

Auction 12 April 2018 Old Master Paintings

1183 Jacopo da Pontormo,

1183 Jacopo da Pontormo, eigentlich Jacopo Carucci da Pontormo, 1494 Empoli – 1557 Florenz, zug. NOLI ME TANGERE Öl auf Holz. 98 x 76,5 cm. Im alten Ädikularahmen. Der Maler und Kunstbiograph Giorgio Vasari erwähnt 1568 in seinen „Vite“, dass Pontormo das Bildthema nach einer Zeichnung Michelangelos in Auftrag bekam. Pontormo gilt neben Agnolo Bronzino, Giorgio Vasari und Rosso Fiorentino als einer der bedeutendsten Maler des Manierismus in Florenz. Sein schon früher Ruhm schuf ihm Aufträge der Medici. Zunächst Schüler des Fra Bartolomeo, Andrea del Sarto und Piero di Cosimo, die noch ganz in der herkömmlichen Stilstufe der Renaissancemalerei wirkten, hat ihn vor allem sein bedeutendster Lehrer Leonardo da Vinci auf den Weg des Manierismus geführt. Von jetzt an hat Pontormo auch eine neue Bildsprache und vor allem eine eigene Farbwirkung angestrebt. Die nun scheinbar aus sich selbst leuchtenden Farben sind das Hauptmerkmal der Malerei Pontormos wie auch des Rosso Fiorentino geworden, wie dies sein berühmtestes Werk, die „Grablegung Christi“ zeigt. Das Bild zeigt die Szene des Neuen Testaments (Joh. 20, 17), wonach die Hl. Magdalena dem auferstandenen Jesus begegnet, von ihm angesprochen mit den Worten „noli me tangere“ (berühre mich nicht). In der Darstellung ist Jesus offensichtlich im Begriff, nach rechts weiterzuziehen, wobei er sich umwendet, der jungen Magdalena entgegen, und sie mit einer milden Handbewegung davon abzuhalten sucht, ihn zu berühren. Magdalena tritt von links heran, der Oberkörper leicht nach vorne geneigt, beide Arme nahezu in einer leicht schrägen Achse ausgebreitet, ihr Gesicht sucht den Blick Jesu. Der Hintergrund ist links durch das Grün eines Hügels angedeutet, rechts hinten ist die Stadt Jerusalem zu sehen, mit Tempelkuppel, Palastgebäuden und Türmen. Die Farbigkeit entspricht ganz der manieristischen Palette Pontormos: das rote Kleid Jesu leuchtet hell auf, nahezu in kräftiges Rosa gewandelt. Im Gegensatz dazu steht das Grau in seinem Mantel und im Kleid der Magdalena, was die Leuchtwirkung der Hauptperson betont. Das Gemälde hat nach einer früheren Restaurierung Pentimenti, d.h. Veränderungen während des Malprozesses zutage gefördert, eine frühere Version des rechen Unterarmes. Offensichtlich ist die Entscheidung für die „durchgehende Achse“ der beiden Arme für diese Abänderung ausschlaggebend gewesen. Die Bilddarstellung zeigt sich auch in einem Gemälde, für das Agnolo Bronzino vermutet wird. Die Forschung weiß seit langem, dass der Darstellung ein Kreide-Vorentwurf von Michelangelo Buonarotti zugrunde liegt, bekannt als „Studien für den Abschied Jesu von Maria“ von 1531. Aus der Forschung nach den Berichten Vasaris geht auch hervor, dass das Gemälde „Noli me tangere“ auf einen Auftrag der Dichterin Vittoria Colonna (1492-1547) zurückgeht, die im Freundeskreis Michelangelos stand und die er selbst gezeichnet hatte. Giorgio Vasari hatte 1568 in seiner Vita des Pontormo berichtet, dass Michelangelo den Vorzeichnungskarton zum Bild geliefert und an Pontormo weitergegeben habe. Drei Briefe an Michelangelo (1531) bestätigen diesen Auftrag. Zum Bildmotiv sind vier Fassungen bekannt geworden, die mit Vasaris Beschreibung in Verbindung gebracht werden. Zwei davon in der Casa Buonarotti, Florenz, eine davon Bronzino zugewiesen, die zweite von Batista Franco. Eine weitere Fassung wurde als von der Hand Pontormos angesehen. Unser vorliegendes Gemälde zeigt jedoch neben den Pentimenti auch noch Unterzeichnungen, was aus den beiliegenden technischen Untersuchungsberichten hervorgeht. Aufgrund mehrerer Aspekte ist auszuschließen, dass es sich bei dem Gemälde um eine spätere Kopie handelt. Vielmehr wurde die frühe Entstehung auch durch technische Untersuchung bestätigt. In den 60er Jahren wurde das Gemälde Gegenstand einer Vorlesung am Landesmuseum Mainz. Damals haben auch die Experten Alexander Perrig und Kurt Welte das Gemälde gewürdigt. Was die Künstlerhand betrifft, so ist 1992 von Dr. Cornelia Syre (Bayerische Staatsgemäldesammlungen) aufgrund einer Fotovorlage auch der Künstlername Francesco Ubertini (1494- 1554) ins Gespräch gebracht worden. In jedem Fall jedoch handelt es sich um das von Vasari beschriebene Motiv, das Pontormo nach dem Entwurf Michelangelos gemalt hat. Provenienz: Deutscher Privatbesitz. Literatur: Vgl. Ausstellungskatalog: Vittoria Colonna, Dichterin und Muse Michelangelos, Kunsthistorisches Museum Wien, 1997, Silvia Ferino-Pagden (Hrsg.), Wien 1997. Darin: Michael Hirst und Gudula Mayr, Michelangelo, Pontormo und das „Noli me tangere“ für Vittoria Colonna. Dort weitere Literaturangaben.(Mit ausführlicher Dokumentation über die Zusammenarbeit von Michelangelo und Pontormo, mit zahlrl. Verweisen sowie Abbildungen der Bildvariationen der „noli me tangere“-Darstellung. Giorgio Vasari: Das Leben des Pontormo. Edition Giorgio Vasari, Band 4., Alessandro Nova (Hrsg.). Neu übersetzt und bearbeitet von Katja Burzer., Berlin 2004. Die Kunst der italienischen Renaissance, Zeichnung - Autoren: Alexander Perrig, Alexander Rauch, Barbara Borngässer, u.a. Rolf Tomann (Hrsg.), Könemann Köln 1995. Doris Krystof, Jacopo Carrucci, genannt Pontormo: 1494-1557, Köln 1998. Anmerkung: Beigegeben ein umfangreicher Schriftwechsel sowie technischer Untersuchungsbericht M.I.D.A. di Claudio Falcucci, Rom 10.8. 2011 sowie die Literatur in Foto kopie. (1131346) (11) Jacopo da Pontormo, also known as “Jacopo Carucci”, 1494 Empoli – 1557 Florence, attributed NOLI ME TANGERE Oil on panel. 98 x 76.5 cm. In aedicule frame. The painter and art biographer Giorgio Vasari mentions in his Vite published in 1568 that Pontormo was commissioned with the subject after a drawing by Michelangelo. Provenance: German private collection. Literature: compare exhibition catalogue: M. Hirst and G. Mayr, “Michelangelo, Pontormo und das ‘Noli me tangere’ für Vittoria Colonna” in: S. Ferino-Pagden (ed.), Vittoria Colonna, Dichterin und Muse Michelangelos, Kunsthistorisches Museum, Vienna 1997, with further reference literature and detailed documentation on Michelangelo’s and Pontormo's collaboration with numerous references and illustrations of image variations of the 'noli me tangere' motif. G. Vasari: Das Leben des Pontormo, Edition Giorgio Vasari, vol. 4, Alessandro Nova (ed.). Newly trans lated and edited by Katja Burzer, Berlin 2004. R. Toman (ed.), Die Kunst der italienischen Renaissance, Zeichnung – authors: A. Perrig, A. Rauch, B. Borngässer, et al., Cologne 1995. D. Krystof, Jacopo Carrucci, genannt Pontormo: 1494-1557, Cologne 1998. Notes: Accompanied by comprehensive correspondence and technical report from M.I.D.A. di Claudio Falcucci, Rome 10 August 2011 and reference literature in photocopy. € 60.000 - € 80.000 INFO | BID tions.com 26 For around 4,500 additional detailed images: www.hampel-auctions.com

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